Autonomes Seminar der Humboldt-Universität zu Berlin

Selbstverständnis des Autonomen Seminars

Autonomes Seminar an der Humboldt-Universität zu Berlin

anno 2012

Minimalkonsens und Selbstverständnis des Autonomen Seminars

Der Minimalkonsens dient der Außendarstellung des Autonomen Seminars (AutS) und formuliert die Voraussetzungen für eine Mitgliedschaft in einer (wünschenswerten aber noch nicht existierenden) Träger-Gruppe des Autonomen Seminars.

Um Missverständnisse zu vermeiden: Der Minimalkonsens formuliert keine Zugangsvoraussetzungen zu den Veranstaltungen oder für die Durchführung einzelner Vorträge oder für die Mitarbeit bei der Vorbereitung des Semesterprogramms. Der Zugang ist für alle offen. Es gilt die Freiheit der Rede.


I. Thematisch-inhaltlicher Bereich

1. [Fokus Andere Aufklärung]

Das Autonome Seminar ist ein philosophisches Seminar - aber nicht irgendein philosophisches Seminar, das irgendwelche philosophische Texte liest. Vielmehr denkt es über Texte der Anderen Aufklärung nach. Die Andere Aufklärung kritisiert die Absolutsetzung der instrumentellen Vernunft und den Herrschaftsanspruch der neuzeitlichen Vernunft (v.a. in Form einer Descartes-Kritik). Sie wendet sich gegen die falsche und irreführende Entgegensetzung von Rationalismus und Irrationalismus, von Vernunft und Widervernunft (vgl. Silvio Vietta). Zur Anderen Aufklärung zählen systemkritische Denkerinnen und Denkweisen, die im weiten Sinne einen anderen Anfang denken. Zuvördest sind zu nennen: Martin Heidegger, Michel Foucault, Giorgio Agamben, Byung-Chul Han, aber auch Karl Marx, Friedrich Nietzsche sowie Denkerinnen der Romantik und schließlich auch (in einem Graubereich) Slavoj Zizek, Alain Badiou, Peter Sloterdijk u.v.m..


2. [Philosophie führt Politik]

Einige der Lesenden wollen darüber hinaus das Erdachte in politisches Handeln umsetzen. Diese Umsetzungsorientierung steht in der Tradition der kritischen Universität von 1967/68 und damit im Erbe der 68er-Bewegungen. Hinsichtlich der Beziehung zwischen Philosophie und Politik lautet der oberste Grund-Satz lautet: Die Philosophie (der anderen Aufklärung) führt Politik und niemand und nichts sonst. Diese „Andere Politik" orientiert sich an der Umsetzung eines anderen Anfangs in Wirtschaft und Gesellschaft, und zwar bezogen auf das Seiende im Ganzen (Erde und Welt).


3. [Keine Reduktion auf Philosophie oder Politik]

Eine Reduktion der Herangehensweise auf „reine Philosophie" ist ebenso un-denkbar wie die Reduktion auf „reine Politik".


4. [Denken ist eine Tätigkeit]

Denken und Philosophieren ist eine Tätigkeit, vielleicht sogar die wichtigste und anspruchsvollste überhaupt. Wer nur denken lernen und üben will, darf deshalb nicht kritisiert oder gar diskriminiert werden.


11. [Unvereinbarkeit]

Das Autonome Seminar führt keine Veranstaltungen durch, die antisemitische, rassistische, nationalistische und sexistische Botschaften transportieren.